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Kai-Uwe von Hassel

Tropenkaufmann, Ministerpräsident, Bundesminister, Bundestagspräsident, Dr. h. c., *13.4.1913 Gare/Tansania, ev., † 8.5.1997 Aachen

1919 Repatriierung aus Deutsch-Ostafrika; 1933 Abitur in Flensburg, landwirtschaftlich-kaufmännische Ausbildung; 1935-1939 Pflanzungskaufmann in Tanganyka; 1939/40 Internierung und Deportation; 1940-1945 Kriegsdienst; 1947/48 Bürgermeister und 1948-1963 Bürgervorsteher von Glücksburg; 1950-1965 Mitglied des Landtages Schleswig-Holstein; 1953 und 1965-1980 Mitglied des Bundestages (CDU); 1954-1963 Ministerpräsident von Schleswig-Holstein; 1956-1965 stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU; 1963-1966 Bundesminister der Verteidigung; 1966-1969 Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte; 1969-1972 Präsident des Bundestages; 1972-1976 Vizepräsident des Bundestages; 1973-1981 Vorsitzender der Europäischen Union Christlicher Demokraten (EUCD); 1976 Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung des Europarates; 1977-1980 Präsident der Parlamentarischen Versammlung der Westeuropäische Union (WEU); 1979-1984 Mitglied des Europäischen Parlaments.

Im schleswigen Grenzland fand von Hassel unmittelbar nach dem Krieg in die Kommunalpolitik. Ansehen hatte er sich dort in der deutsch-dänischen Auseinandersetzung und durch seine vermittelnde Rolle zwischen Einheimischen und Vertriebenen erworben. Als geschäftsführender Vorsitzender reorganisierte von Hassel die Landes-CDU und wehrte alle Versuche ab, diese in eine reine Schleswig-Holstein-Partei umzuwandeln. 1954 folgte er seinem Förderer Friedrich Wilhelm Lübke als Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein.
Als jüngster Ministerpräsident der Republik entwickelte sich Hassel rasch zu einem über die Grenzen des Landes hinaus bekannten Politiker. Mit der Bonn-Kopenhagener Erklärung zur deutsch-dänischen Minderheitenfrage von 1955 wurde ein lange schwelender Konflikt in Schleswig-Holstein einer dauerhaften Lösung zugeführt. Nach dem Tod von Hermann Ehlers wuchs Hassel in wenigen Jahren außerdem die Rolle zu, innerhalb der CDU den protestantischen Norden zu vertreten. 1959 wurde er bereits als einer der Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten genannt. Mit der Berufung zum Bundesminister der Verteidigung wechselte Hassel in die Bundespolitik. In der Diskussion um die deutsche Sicherheitspolitik wurde er zu den sogenannten „Atlantikern“ gezählt. In der Großen Koalition führte er das Vertriebenenministerium. Die Jahre in diesem Ressort nutzte er auch zum Aufbau der Hermann Ehlers Stiftung. Im Februar 1969 wurde Hassel als Nachfolger von Eugen Gerstenmeier zum Bundestagspräsidenten gewählt. Mit seiner Amtsführung erwarb er sich parteiübergreifenden Respekt. Durch die von ihm umgesetzte „kleine“ Parlamentsreform festigte er zugleich den Ruf eines pragmatisch zupackenden Politikers. Als Vorsitzender der EUCD bemühte Hassel sich vor allem um den Brückenschlag zu den konservativen Parteien Europas. Die Gründung der Europäischen Demokratischen Union ging wesentlich auf seine Initiative zurück. Im ersten direkt gewählten Europäischen Parlament setzte sich Hassel mit Erfolg für die Behandlung außenpolitischer Fragen ein. Auch in den letzten Lebensjahren nahm Hassel am politischen Geschehen lebhaften Anteil. Vor allem seine vielfach vorgetragene Kritik an der Qualität des politischen Personals fand öffentliches Gehör.

Quelle: Lexikon der Christlichen Demokratie in Deutschland