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Oberkirchenrat in Oldenburg

Das Kriegsende und die anschließenden Monate verbrachte Ehlers weiterhin in Hamburgs Norden, in Fuhlsbüttel, wo er offiziell als Referent für die Jugendwohlfahrt beim Landeskirchlichen Jugendpfarramt angestellt war. Kurz darauf wendete er sich seiner neuen Aufgabe zu und wurde Oberkirchenrat im niedersächsischen Oldenburg. Hier profitierte er aus seinen Erfahrungen aus der Zeit vor dem Krieg und war vor allem mit verwaltungsjuristischen Aufgaben betreut, wie z.B. Personalfragen und Vermögensverwaltung. Parallel war er auch der Bevollmächtigte des Evangelischen Hilfswerks für den Oldenburger Bereich.

In der Oldenburger Zeit begann Ehlers´ starkes Engagement für die Neuordnung der Evangelischen Kirche und der Versuch, die Position der Kirche im Staat und in der Gesellschaft neu zu bestimmen. Für Ehlers war es klar, dass die Kirche nach außen unabhängig sein musste. Diese Eigenständigkeit war nur durch eine innere Geschlossenheit und auf der Grundlage eines gemeinsamen Bekenntnisses zu erreichen. Aus diesem Grund setzte sich Ehlers auch für eine unbedingte Forderung nach einem gelebten protestantischen Christentum ein. Dieses verband er nicht mit der evangelischen Freiheit, dass durch ein Fernbleiben vom Gottesdienst und dem Zahlen der Kirchensteuer ausgedrückt wird. Vielmehr galten für ihn christliches Engagement und ein öffentliches Bekenntnis zum Glauben als Indikatoren für das gelebte Christentum. Ein verantwortungsbewusst handelnder Christ durfte sich seiner Ansicht nach auch nicht der politischen Entscheidung entziehen. Diese Einstellung lässt auch sein kurz darauf folgendes politisches Wirken besser verstehen.(1) (2)

Zum 1. August 1946 trat Ehlers der CDU bei.

Wir dürfen sicher sein, daß Ehlers seinen Beitritt zur CDU nicht überschwenglich, sondern sehr kritisch vollzog. Er durchdachte die Grundlagen dieser Partei genauer als viele andere.(3)

Im gleichen Jahr wurde er Ratsherr in Oldenburg, drei Jahre später trat er zur Wahl in den Deutschen Bundestag an. Für die CDU kandidierte er im Wahlkreis 8 Niedersachsens – Oldenburg-Ammerland und wurde über die Ergänzungsliste in den Bundestag gewählt.

In der Nordwest-Zeitung vom 6.8.1949 wurde sein Wahlaufruf abgedruckt:

Warum ich zum Bundestag kandidiere.

Nicht weil ich glaube, im Werben um die Stimmen der Wähler besonders zugkräftige Parolen aufstellen zu können. Es wird nichts Gutes und Heilsames für Deutschland und seine Bewohner geben, das vor der Wahl nicht gewollt und nicht versprochen wird.

Nicht, weil ich glaubte, daß durch eine Wahl und ein Parlament das bittere Geschick Deutschlands auf einmal gewendet werden könnte. Wir haben den größten Krieg der Geschichte verloren und einen Zusammenbruch ohnegleichen erlebt. Es wäre vermessen zu meinen, daß durch die Tätigkeit von 400 Parlamentariern die Folgen einer solchen Zerstörung hinweggewischt werden könnten.

Nicht weil ich meinte, daß durch eine Partei – sei es welche es wolle – das Heil käme. Deutschland hat gezwungen oder freiwillig sein Geschick auf eine Partei gestellt und seitdem alle Parteien im Verdacht, nicht besser zu sein. Warum also doch? Weil ich meine, daß in unserer notvollen Lage jede Möglichkeit, zum Wiederaufbau unseres Vaterlandes beizutragen, nicht versäumt werden darf. Und der erste Bundestag am Beginn der neuen Staatwerdung in Deutschland ist eine solche Möglichkeit. Die Not unseres Volkes ruft mich, und Gottes Gebot verpflichtet mich, an der Not nicht vorbeizugehen.

Darum rufe ich alle, die gleichen Sinnes sind, ihr Wahlrecht ernst zu nehmen.(4)

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Anmerkungen

(1) Vgl. dazu Krüger 2004, S. 21-25; Meier 1991, S. 137 ff.; Jasper 1982, S. 108

(2) Vgl. dazu auch den Abschnitt "Der Christ Ehlers".

(3) Börner 1963, S. 81.

(4) Zit. nach Börner 1963, S. 98.

Die vollständigen bibliographischen Angaben finden Sie hier.

Fotographie

Porträt, ohne weitere Angaben (Quelle: ACDP)