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Nationalsozialismus und Bekennende Kirche

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 erlebte Ehlers als Angestellter der Bezirksverwaltung Steglitz. Zu diesem Zeitpunkt wendete er sich, scheinbar beeindruckt von den Geschehnissen, noch recht euphorisch über dieses Ereignis an seine Glaubensbrüder:

Ihr wißt alle, was geschehen ist von jenem historischen 30. Januar über den Tag von Potsdam, an dem die Hand unseres geliebten greisen Hindenburg in der des Schöpfers und Führers des neuen Deutschland lag. Unsere Jungs und Führer haben gejubelt ob dieses Geschehens, das so viele von ihnen seit langem ersehnt und mit erkämpft haben.

Doch zugleich heißt es im Artikel weiter:

Und doch meinen wir, daß unser liebes Volk den Herrn Christus braucht. Das bestimmt unser Handeln und unser Wehren.(1)

Schon bald überwog der christliche Glaube in Ehlers´ Denken und ließ ihn den wahren Charakter der Nationalsozialisten erkennen. Nach der Machtergreifung der NSDAP trat er der Bekennenden Kirche (BK) bei. Ab 1933 war er Schriftleiter der „Jungenwacht“, der gemeinsamen Zeitschrift der evangelischen Jugendverbände, die 1938 durch die Nationalsozialisten verboten wurde. 1934 verlor Ehlers seine Arbeitsstelle, weil er nicht der NSDAP beitreten wollte und somit durch ein Parteimitglied ersetzt wurde. Er fand anschließend sein Auskommen als juristischer Hilfsarbeiter beim Rechtsanwalt Horst Holstein und war hier vor allem zuständig für die Bearbeitung kirchenrechtlicher Angelegenheiten. Im Bruderrat der Evangelischen Kirche war man inzwischen auf den sachkundigen Juristen aufmerksam geworden. Im Mai 1935 wurde Ehlers juristisches Mitglied und gleichzeitig juristischer Chef der Verwaltung. Zu seinen neuen Aufgaben zählte u. a. die Finanzverwaltung der BK, die Weitergabe und Durchführung von Beschlüssen und das Verfassen von Gutachten und Artikeln zu kirchenrechtlichen Fragen. Später half Ehlers bei den Ausarbeitungen von Vorbereitungen zu Prozessen der BK u. a. gegen die Reichskirchenregierung und das Kirchenministerium Kerrl. 1937 erfolgte eine kurzzeitige Verhaftung wegen „Ungehorsams gegen staatliche Anordnung“, wobei es um Gelder aus den Kollekten ging und Ehlers letztlich freigesprochen wurde. In den Jahren 1936 bis 1939 arbeitet Ehlers als Gerichtsassessor und Hilfsrichter, wurde aber letztlich wegen seiner Mitgliedschaft in der BK nicht übernommen. Im Zweiten Weltkrieg, der kurz darauf ausbrach, wurde Ehlers schließlich 1940 eingezogen. Er diente daraufhin bei der Flugabwehr in Hamburg-Fuhlsbüttel, wurde 1943 Leutnant und blieb bis zum Kriegsende als Batteriechef in der Hansestadt stationiert. (2)

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Anmerkungen

(1) Zit. nach Börner 1963, S. 32.

(2) Vgl. dazu insgesamt Meier 1991, S. 26-37, Börner 1963 S. 37 ff, Krüger 2004, S. 19 ff.

Die vollständigen bibliographischen Angaben finden Sie hier.

Fotographie

Flakstellung

Hermann Ehlers (Mitte) in einer Flakstellung in Hamburg-Fuhlsbüttel, 1943.

Quelle: ACDP