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Jugend

Bereits von früher Jugend an war Hermann Ehlers´ Leben geprägt von Verantwortungsbewusstsein, dass er zum einen gegenüber seinem Land empfand und zum anderen gegenüber seinem protestantischen Glauben. Schon als 18-jähriger wählte Ehlers in einem Aufsatz, in dem er sich über seine persönlichen Zukunftsvorstellungen Gedanken machen sollte, die Überschrift „In welcher Stellung kann ich meinem Vaterland am besten dienen?“ Die Antwort lieferte er sobald, indem er seine Absicht kund tat und sich für das Studium der Rechts- und Staatswissenschaften entschied, um, wenn möglich, anschließend in den Staatsdienst eintreten zu können.(1) Die Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben begann ebenfalls in früher Jugend. Schon als Sekundaner war der 15-jährige Ehlers Mitglied im „Bibelkreis höherer Schüler“. Somit war schon früh der Rahmen für Ehlers´ zukünftiges politisches und gesellschaftliches Leben gesetzt. Beide Pole, Politik und Kirche, sind daraufhin nicht mehr voneinander zu trennen. Der christliche Glaube wurde zum Maßstab seines politischen Handelns.(2)

Sein Vorhaben, ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften aufzunehmen, setzt Ehlers im Wintersemester 1922/23 in die Tat um und immatrikuliert sich an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. Im Sommersemester 1924 wechselt er kurzzeitig an die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, um anschließend wieder nach Berlin zurückzukehren, wo er im Februar 1927 seine Erste Juristische Staatsprüfung ablegen konnte. Seine Studien wurden in dieser Zeit von akademischen Lehrern wie Theodor Kipp, Martin Wolff, Ernst Heymann, Eduard Kohlrausch und James Goldschmidt beeinflusst. Seine anschließende Promotion begann er in Bonn bei Carl Schmitt, einem Mann, von dem Ehlers „beeindruckt“(3) war. Nach dessen Weggang an die Berliner Handelshochschule übernahm der Staatsrechtslehrer Richard Thoma die Betreuung der Dissertation. Seine Arbeit mit dem Titel „Wesen und Wirkungen eines Reichslandes Preußen“ ist mit ein Ausdruck von Ehlers´ frühen politischen Ansichten. In ihr kommt einerseits die Bewunderung Preußens zum Ausdruck, dem Land und dessen Geschichte, dem Ehlers in „besonderem Maße verhaftet“(4) war. Auf der anderen Seite findet sich in ihr eine deutliche Absage an die politischen Verhältnisse der Weimarer Demokratie wieder. Föderalismus, Parlamentarismus und Parteidemokratie stellten für den jungen Ehlers „verächtliche und ineffiziente Einrichtungen“(5) dar.

Es ist daher auch nicht weiter verwunderlich, dass sich der Student Ehlers ab dem Jahr 1923 im Verein Deutscher Studenten, kurz VDSt, wiederfand, einem Verein, der in den Jahren der Weimarer Republik eine deutliche politische Ausrichtung einnahm und der Republik ablehnend gegenüber stand.  Ehlers stand dem in nichts nach und äußerte sich unmissverständlich über die herrschenden politischen Verhältnisse und dem gleichzeitigen Hoffen vieler Deutscher:

Gerade für Menschen, die mit dem ganzen Herzen im Bismarckschen Reich gelebt haben, ist es mit dem 9. November 1918 nicht zusammengebrochen. Hinter all dem, was im heutigen Staat nicht ihres Geistes ist – und das ist wahrlich nicht wenig – sehen sie über äußere Gestaltung und Form hinweg das ewige Reich der Deutschen.(6)

Weiterhin gebührte dem 1925 zum Reichspräsidenten gewählten Hindenburg Ehlers´ Zuneigung:

Wir wissen, daß viele unserer Bundesbrüder mit den Wegen, die unser hochverehrtes Ehrenmitglied, der Generalfeldmarschall, als Reichspräsident geht, nicht einverstanden sind. Das hindert uns nicht, ihn als dem Verkörperer deutscher Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit immer wieder […] Treue und Gefolgschaft zu geloben.(7)

Einer Partei trat Ehlers in dieser Zeit nicht bei, politische Sympathie hegte er gewiss mit den Deutschnationalen der DNVP. Er ließ sich 1929/30 auch in die Geschehnisse des von DNVP, Stahlhelm und NSDAP initiierten Volksbegehrens gegen den Young-Plan miteinbeziehen und war damit einer von Millionen anderer Deutscher, „einer von den vielen Verblendeten“(8), der den politischen Niedergang der Weimarer Republik guthieß.

Es war und ist noch heute keineswegs eine Selbstverständlichkeit, dass man mit den persönlichen politischen Irrtümern offen und kritisch umgeht. Für Hermann Ehlers war es charakteristisch, dass er sich nach 1945 mit kritischer Ironie und der Fähigkeit zur Selbstprüfung zu seinen politischen Ansichten in der Zeit der Weimarer Republik äußerte und mit diesen auseinandersetzte.

Dass Ehlers, der noch 1933 kurzzeitig dem Stahlhelm beitrat, nicht den Nationalsozialisten verfiel, verdankte er seinem starken christlichen Glauben, den er sich über all die Jahre bewahrt hatte und der ihn schnell erkennen ließ, dass die NSDAP eine religions- und glaubensfeindliche Einstellung vertrat. Parallel zum Studium war Ehlers aktiv im Steglitzer Bibelkreis, dessen Leitung er 1925 übernahm. „Männe“, wie er im dortigen Freundeskreis gerufen wurde, engagierte sich verstärkt in der Jugendarbeit, unternahm beispielsweise gemeinsam mit Jugendlichen Reisen in Gebiete (Ungarn, Siebenbürgen), in denen sogenannte Volksdeutsche lebten und betrieb eine rege Schreibarbeit in Publikationen des Bibelkreises. Schließlich übernahm er 1928 die Schriftleitung des Mitteilungsblattes „Von Kampf und Sieg“.(9) Seine verstärkten Tätigkeiten im VDSt und im Steglitzer Bibelkreis lassen Ehlers rege Tatkraft erkennen. Auch der Beginn seiner beruflichen Laufbahn, die mit der Ernennung zum Gerichtsassessor begann und anfangs in unterschiedliche Stellen als juristischer Hilfsarbeiter mündete, konnte seine Mitarbeit im Bibelkreis nicht mindern. Sein Glauben legte nach 1933 den Beitritt zur Bekennenden Kirche nahe und wurde zum Grundstein seines Lebens im nationalsozialistischen Deutschland.

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Anmerkungen

(1) Zit. nach Börner 1963, S. 15.

(2) Vgl. auch Krüger 2004, S. 10; Börner 1963, S. 15.

(3) Erdmann 1991, S. 5.

(4) Börner 1963, S. 24.

(5) Erdmann 1991, S. 6.

(6) Zit. nach Börner 1963, S. 28.

(7) Zit. nach Börner 1963, S. 29.

(8) Erdmann 1991, S. 6.

(9) Vgl. dazu Krüger 2004, S. 15-17; Meier 1991, S. 1-26.

Die vollständigen bibliographischen Angaben finden Sie hier.

Fotographie

Ehlers auf einem Ausflug mit dem Bibelkreis, ca. 1930.

Hermann Ehlers auf einem Ausflug mit dem Bibelkreis, ca. 1930. Quelle: ACDP