Veranstaltungen

Der Bundestagspräsident

Nach seiner erfolgten Wahl in den Deutschen Bundestag war Ehlers einer der unbekannteren Parlamentarier. Im Haushaltsausschuss machte er sich dagegen schnell einen Namen und galt als „gewissenhafter Mitarbeiter“(1).

Bereits nach einem Jahr (19.10.1950) wurde Ehlers als Nachfolger von Erich Köhler zum zweiten Bundestagspräsidenten gewählt und geriet mit einem Male ins politische Rampenlicht der noch jungen Bundesrepublik. In diesem Amt traten Ehlers´ Eigenschaften besonders hervor, denn er verdiente sich durch ein hohes Arbeitspensum, seine Genauigkeit, Zielstrebigkeit, Gerechtigkeit und nicht zuletzt durch seinen Humor den Respekt der Abgeordneten aller Parteien.(2) Er verstand es meisterhaft, das „etwas verwilderte Hohe Haus“(3) wieder zu einer geordneten Arbeitsweise zu führen. Er galt als straffer Arbeiter, der mit dem nötigen Durchsetzungsvermögen und seiner natürlichen Autorität schnell dafür sorgte, dass das Parlament als ernst zu nehmende demokratische Institution wahrgenommen wurde. Er wusste, dass gerade das Parlament in der Nachkriegszeit kein hohes Ansehen genoss. Mittels eines groß angelegten Werbefeldzugs trat Ehlers für den Parlamentarismus ein. Er schrieb unzählige Artikel, hielt Vorträge, stand im Briefverkehr mit der Bevölkerung, nutzte das Fernsehen und den Rundfunk für Übertragungen von Debatten, öffnete den Bundestag für Besuchergruppen und empfing offiziell Delegationen anderer Parlamente. Besonders für die Jugend hatte er ein offenes Ohr und suchte oft den direkten Kontakt und die Gespräche mit jungen Menschen. Diese souveräne Arbeitsweise festigte das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Bundestag und in den Parteienstaat und er festigte damit gleichzeitig die Stellung des Parlaments gegenüber der Regierung. Er kämpfte für eine protokollarische Anerkennung des Parlaments und „wies alle Versuche Adenauers, das Parlament zu überspielen, energisch zurück.“(4) Nicht umsonst galt Ehlers als der „getreue Eckhardt des deutschen Parlaments“(5). Auch und gerade in diesem Amt kam der überzeugte Christ Ehlers zum Vorschein. „Seine lutherische Auffassung von der Notwendigkeit hoheitlicher Autorität stellte er voll in den Dienst des Parlaments.“(6) So verwunderte es wohl kaum, dass Ehlers im Jahr 1953 wiedergewählt wurde, mit dem eindrucksvollen Ergebnis von 466 von 500 möglichen Stimmen.

Es gehört zu den bemerkenswertesten Kapitel in Ehlers´ Leben, dass aus dem antidemokratischen jungen Mann in der Weimarer Republik ein Verfechter der parlamentarischen Demokratie wurde, der er verstand, mittels ehrlicher Arbeit zu einem glaubwürdigen Vertreter der neuen politischen Ordnung zu reifen. Hinter Ehlers lag bis dahin ein langer Weg „zeitgeschichtlicher Erkenntnis“(7).

Vorheriger Abschnitt

zurück zur Übersicht

Nächster Abschnitt


Anmerkungen

Vgl. dazu insgesamt auch den Abschnitt "Der Politiker Ehlers".

(1) Krüger 2010, S. 26.

(2) Beispiele für seinen Führungsstil als Bundestagspräsident finden sich in einem eigenen Abschnitt bei Börner 1963.

(3) Schwarz 1981, S. 125.

(4) Jasper 1982, S. 112.

(5) U.a. Börner 1963, S.99.

(6) Jasper 1982, S. 111.

(7) Erdmann 1991, S.9.

Die vollständigen bibliographischen Angaben finden Sie hier.